Filmtipp: Die Macht der Bauernlobby – Woher kommt sie?

Der Deutsche Bauernverband gehört zu den mächtigsten Lobbyorganisationen in Deutschland. Er habe einen ähnlich großen Einfluss auf die Politik, wie die deutsche Autoindustrie, tritt aber oftmals eher im Hintergrund auf und setzt seine Interessen oft im Stillen durch. Wie aber ist dieser Machtfaktor entstanden? Und wie ist es ihm immer wieder gelungen, Gesetze zu beeinflussen?

Es begann nach dem Zweiten Weltkrieg

Ein Grund der enormen Macht liegt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Lebensmittelknappheit führte dazu, dass Landwirte immer wichtiger wurden. Im Jahre 1955 legte die Bundesregierung per Gesetz den Grundstein für das heutige Subventionssystem. Bauern wurde die Abnahme wichtiger Erzeugnisse zu festen Preisen garantiert. Somit erging es den Bauern recht gut und durch diese Preisgarantie wurden die Bauernhöfe immer größer und größer.

Die Situation in Ostdeutschland

In Ostdeutschland sah die Situation ein wenig anders aus: Landwirte mit mehr als 100 Hektar Land wurden nach Ende des Zweiten Weltkriegs enteignet, ohne dafür eine Entschädigung zu bekommen. So kam es, dass viele in den Westen flohen und einen Neuanfang wagten. Diejenigen, die in Ostedeutschland verblieben, mussten der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) beitreten.

Die Situation in Westdeutschland

Im Westen wuchs Europa zusammen. Doch der Bauernverband blockierte lange einen europäischen Getreidepreis. Der Grund: Deutsche Bauern sollten nicht so wenig verdienen wie ihre Kollegen in Italien oder Frankreich. Erst nach der Zusicherung zusätzlicher Subventionen für deutsche Landwirte, stimmte der Bauernverband doch dem einheitlichen europäischen Getreidepreis zu.

Die Zeit nach der Wende

Nach dem Fall der Mauer 1989 entschied die Bundesregierung, die gut 4000 LPGs der DDR zu privatisieren. Käufer waren oft die alten LPG-Vorsitzenden. Sie wussten, wie viel das Land wert war, und nutzten mitunter juristische Tricks. Der Bauernverband nahm die landwirtschaftlichen Großgrundbesitzer, die roten Barone, wie sie im Osten genannt wurden, gerne auf. Nicht wenige machten sogar Karriere im Verband.

„Akte D“ ist eine investigative Dokumentationsreihe, die den Zuschauer auf Spurensuche in die Vergangenheit mitnimmt, verdrängte Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte neu beleuchtet und mit Mythen und Legenden aufräumt. Die erste Staffel dieses Formats wurde 2015 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

>>Hier können Sie die Dokumentation in der ARD Mediathek bis zum 14.01.2020 anschauen.<<